Reisen mit der Firma C. …

Irgendwann kam uns im kalten und gruusigen Winter die Idee, im frühen Frühling des Jahres 2005 wiederum in die Türkei zu fahren und dort etwas «die Seele baumeln zu lassen». Beschlossen, getan.

Meine Frau Daniela, Spezialistin in Sachen Internet-Suche, hat sich hinter den Computer geklemmt und sämtliche verfügbaren Ferienangebote verglichen. Es gab, wie sie mir berichtete, ausserordentlich viele Angebote von ebenso ausserordentlich vielen Reiseanbietern. Weil wir in der Schweiz ja quasi das eigentliche «Zentraleuropa» darstellen, war es uns auch mehr oder weniger egal, von wo aus wir fliegen würden. Unsere Wahl fiel schliesslich auf einen Schweizer Anbieter. Es handelte sich um die Firma C., von deren organisatorischen Höchstleistungen ich in dieser etwas lang geratenen Kurzgeschichte berichten werde. Aber alles der Reihe nach.

Zur Buchung. Wir studieren den Prospekt und entschliessen uns, die Reise am 9. April 2005, genau gemäss den im Prospekt ausgeschriebenen Daten, anzutreten. Nach nur drei Umbuchungen – zuerst wurde der Ferienort von Side nach Kemer verlegt, anschliessend das Abflugdatum vom 9. April auf den 11. April – sind wir schliesslich am 12 playmemories home download mac. April um 07:15 Uhr ab Zürich-Airport gestartet. Auf meine irgendwann im Vorfeld gemachte Bemerkung, ich müsse jetzt schon langsam wissen, wann, wo und wie und überhaupt, ich befände mich schliesslich in einem Angestelltenverhältnis, kommt die Antwort, «ich müsse mich halt richten» (dabei habe ich nichts anderes gemacht, als mich nach den Angaben im Prospekt gerichtet). Zugegeben, ja, die Ferien haben uns, offiziell verrechnet natürlich, genau 168 Franken gekostet – hierbei handelt es sich um den Preis für zwei Personen – , aber immerhin mussten wir auch noch unsere beiden Töchter in die Ferien bringen und es war schon etwas peinlich, alle zwei Tage nachzufragen, ob es vielleicht einen, zwei oder vier Tage später auch noch ginge. – Na ja…

Zur Anreise. Wir erkundigen uns nach dem Tarif für eine Zugfahrt von Bern nach Zürich. Die Anreise mit den ÖV hätte bei ersten und beim zweiten Flugtermin bestens gepasst. Beim dritten Termin jedoch stellen wir fest, dass es absolut unmöglich ist, mit den ÖV nach Zürich zu gelangen, um rechtzeitig zum Check-in zu kommen. Der Abflug ist um 07:15 Uhr festgelegt und C. beharrt darauf, wir müssten mindestens zwei Stunden vorher am Flughafen sein. Dies ergäbe also 05:15 Uhr, aber leider fährt um 03:45 Uhr ausser Güterzügen kein Transportmittel der SBB/BLS zum Unique-Airport. Übrigens: Mit dem Zug kostet eine Reise nach Kloten für eine Person zum halben Tarif genau 147 Franken. Weil wir uns nicht noch eine Übernachtung zusätzlich im Hilton leisten wollen, nehmen wir das Auto free foto's. Merke: Samt Parkplatz für TCS-Mitglieder kommt diese Variante günstiger als mit den SBB… Und damit auch das gesagt worden wäre. Der Flug war OK.

Ankunft am Flughafen in Antalya: Wir Touris werden auf Busse an die verschiedenen Destinationen verteilt. Interessant: Da finden sich Leute in einem Car nach einer Ortschaft, von der sich gar nicht wissen, dass sie überhaupt existiert, weil sie in ihren Reiseunterlagen ganz andere Angaben haben. Die Organisation seitens C. scheint reine Glücksache. Kaum von Flughafen abgefahren, erleben wir live einen cholerischen Anfall des laut Prospekt «geschulten und geprüften» Reiseleiters. Und das nur, weil angeblich die Lautsprecheranlage im Bus nicht richtig funktioniert. Ein Glück, hat der Chauffeur das peinliche Zeter und Mordio überlebt. Jedenfalls war da nicht gerade sehr sympathisch, haben Daniela und ich gefunden (und andere Mitreisende auch). Aber eben: Vielleicht sind wir auch typische Schweizer-Tüpflischysser, die immer etwas auszusetzen haben, wenn jemand was auszusetzen hat.

Ankunft im Hotel: Aussteigen, Koffer entgegennehmen, Begrüssungsapéro fassen, hinsetzen, zuhören und dann… Kohle zücken. Es wird seitens der Reiseleitung nämlich empfohlen, die Halbpension nachzubuchen whatsapp daten nicht automatisch herunterladen. Kostenpunkt pro Person 140 Franken (also unwesentlich weniger als die ganze Reise für zwei Personen gekostet hat). Aber das Hotel ist dermassen am «Füdle der Welt», dass es quasi unmöglich ist, anderswo zu fooden. Es geht weiter: Der obligatorische (!) Ausflug muss gebucht werden. Die Reiseleitung empfiehlt, auch das Mittagessen (hä?) zu buchen. Kostenpunkt 40 Franken pro Person, womit wir also den ganzen Reisepreis locker übertroffen hätten. Und dann: Im Hotel bezahlt man mit Perlen. Aha. Auf welcher Insel in Südostasien sind wir eigentlich? Item, es gibt an der Hotelréception Päckchen mit fünf oder mit zehn Perlen zu kaufen. Angebrauchte Säckchen werden übrigens nicht zurückgenommen. Alles klar. Als Information der Reiseleitung über die Preise im Hotel wird lediglich gesagt, diese entsprächen «dem Landesdurchschnitt». Es wurde uns jedoch tunlichst verschwiegen, dass es sich in unserem speziellen Fall/in unserem speziellen Hotel um den Landesdurchschnitt der «Schweiz mal zwei» handelt. Ein Wahnsinn doch, wenn ein halber Liter Wasser im Hotel plötzlich einiges mehr kostet als eine 1-Liter-Flasche im Restaurant! Aber lassen wir das, sonst kriege ich noch nachträglich einen Anfall herunterladen.

Zu den Produktepräsentationen: Die sind obligatorisch, gehören zum Anstand und beginnen am Tag nach der Ankunft … um 07:30 Uhr. – Nichts also da mit erholen und ausschlafen. Das kann man schliesslich zu Hause tun, nicht in den Ferien. Da organisatorisch durch die Firma C. betreut, war von Anfang an klar, dass etwas nicht klappen würde. Und siehe da: Kurz von der Ankunft am Bestimmungsort ein Telefon an den örtlichen Reiseleiter. Die Firma C. hat zu wenig Platz für alle Gäste reserviert, die an dieser obligatorischen Präsentation teilzunehmen haben. Unsere Befürchtungen werden einmal mehr erfüllt, Firma C.! Der Reiseleiter im Bus disponiert um, auf einen Antalya-Ausflug, Zmittag natürlich nicht inbegriffen. Wir kommen in ein Restaurant, das durch die Reiseleitung kurzfristig reserviert wurde. Ein Kebab kostet unglaubliche 15 Franken, dass Doppelte wie bei uns. Ein Wahnsinn, alle Reisenden nerven sich. Aber das Restaurant liegt dermassen in der türkischen Pampa, dass wir nach einer halben Stunde aufgeben, nach möglichen Alternativen zu suchen total commander german free. Es gibt keine.

Zum obligatorische Ausflug nach Pamukkale: Der beginnt erst um 07:00 Uhr. Da haben wir ja noch Glück gehabt! Zuerst wind bei einer Schmuckfabrik angehalten, wo wirklich alles Gold ist, was glänzt, auch die Preise, wenn man schon mal mit irgendeiner anderen Schmuckfabrik hat vergleichen können. In etwa das Doppelte wie anderswo! Danke, C. Dann die eigentliche Fahrt nach Pamukkale. Es ist schon unglaublich, wie lange vier Stunden sein können, wenn man quasi nur noch von Toilettenhalt zu Toilettenhalt warten kann. Das Mittagessen – Sie erinnern sich, es kostete 40 Franken pro Person, was sehr sosolala. Aber: Die Getränke sind nicht inbegriffen und kosten in etwa gleich viel wie ein Essen im Baur au Lac in Zürich. Ehrlich, ich habe noch nie teureren Wein in einer 08/15-Beiz gesehen (nein, es war kein Château Petrus, sondern ein einfacher Landwein aus der Türkei). Nun, weil wir ja nicht verdursten wollten und weil das Essen sehr durchschnittlich war, musste irgendwie zumindest der schale Nachgeschmack weggespült werden. Anschliessend heisst es im Car wieder unendlich lange «Warten auf Pamukkale». Pamukkale wiederum ist sehr schön und auch geschichtsträchtig. Diese Ansicht teile ich mit Zehntausenden von anderen Besuchern, die zufälligerweise (…) auch gerade da waren, obligatorisch organisiert. Am Abend in einem Hotel zu Pamukkale: Das Nachtessen ist inklusive (oho!), und deshalb sind die Getränkepreise astronomisch hoch. Nur trinkt niemand mehr etwas… Kunststück.

Nach dem Nachtessen ist ein Bauchtanz angesagt. Nein, erstaunlicherweise nicht orientalisch, eher so Table-Dance-mässig, vielleicht anmächelig für Singles in einer Schummerbar im Rotlicht-Bezirk, für die anwesenden Kinderchen aber eher weniger geeignet. Am nächsten Morgen Abfahrt um 07:30 Uhr in eine Teppichfabrik. In dieser Teppichfabrik gibt es eine Präsentation eines Menschen, bei welchem jeder – und damit meine ich wirklich jeder – Schauspieler unbedingt Nachhilfestunden buchen sollte. Der geniale Abreisser! Und es gibt tatsächlich immer noch Leute, die denken, das grosse Schnäppchen zu machen. Süper! (Türkisch für super). Danach die Rückfahrt nach Antalya, wo wir, bereits gekocht und gegart, in eine Lederfabrik geschleppt werden. Auch hier, schöne Lederjacken und -hosen, die Preise in etwa gleich wie bei uns in der Schweiz, also ungefähr dreimal so teuer wie sonst wo in der Türkei. – Süper!

Wir sind bereits drei Tage in der Türkei und haben noch nie ausschlafen können. Heute aber! Nur stellt sich das als Wunschdenken heraus, denn in der Nacht kommen neue Gäste an, und das wiederum bedeutet Lärm ab 22:00 Uhr bis zum Morgenessen. Um unseren alt Bundesrat Ogi zu zitieren: Freude herrscht, aber nicht im Sinne des Erfinders… Trotz der Tatsache, dass wir keine Strandgänger sind, haben wir uns entschlossen, dennoch einmal einen Tag am Strand zu verbringen, doch leider haben wir zwischen den Kranwagen und Baggern keinen Platz für unser Badetüechli gefunden, was zwar an und für sich schade ist, in Anbetracht des Wetters allerdings weniger stört. Uns war nach einer halben Stunde dermassen kalt, dass wir froh waren, wieder ins Hotelzimmer gehen zu dürfen, denn von nun an regnete es in Strömen. Wenn ich nicht wüsste, dass die Firma C. dies nicht beeinflussen kann, würde ich doch glatt vermuten, dass…

Zweiter «richtiger» Tag im Hotel: Es scheint wieder die Sonne. Bei unserer ersten Türkeireise haben wir gesehen, dass die zentraleuropäischen Sonnencrèmes hier extrem günstig sind. Also haben wir von zu Hause rein gar nichts mitgenommen. Im Hotel gibt’s so eine Art Kiosk, da kostet die Tube Nivea Sonnencrème genau… 37 Euro. 56 harte Schweizer Fränkli. Haben Sie, geneigte Lesende, schon mal so teure Nivea-Sonnencrème gesehen? Wow! So kauften wir uns die gleiche Salbe nachher im Städtchen Kemer, da kostete die gleiche Nivea nur noch 10 Euro, was uns den Kaufentscheid doch sehr erleichterte. Übrigens haben wir da auch eine tolle Lederjacke erstanden. Die kostete nur gerade mal die Hälfte jener Jacke in der Lederfabrik und ist qualitativ erst noch besser und aufwändiger verarbeitet. Beim Mittagessen – Sie vermuten richtig, es gab tatsächlich Kebab, mit Wasserpfeife zum Dessert – entdeckten wir auch die «normalen» Preise für Türkei-Reisende. Na also, es geht ja doch! Voraussetzung ist einfach, dass die Tipps von C. in den Wind geschlagen werden.

Zum dritten (und letzten) Tag im Hotel: Mit Bekannten, die wir zufälligerweise getroffen haben, sind wir von Kemer nach Göynük spaziert. Im Göynük-Canyon sind wir in einem kleinen Restaurant eingekehrt. Gegen 14:00 Uhr waren wir da und um etwa … 19:30 Uhr sind wir wieder aufgebrochen. Natürlich haben wie gespiesen, natürlich haben wir getrunken und natürlich hatten wir eine Gaudi. Gekostet hat das für unsere Verhältnisse fast nichts, die Leute waren unheimlich nett, und der Chef hat uns um 19:30 Uhr mit seinem Privatauto ins Hotel zurückgeführt. Kostenpunkt dieser privaten Taxifahrt? Gratis und franko! Als wir etwas ans Benzin – ist unheimlich teuer in der Türkei – bezahlen wollten, kam die Frage, ob wir ihn beleidigen wollen. Und das wollten wir wirklich nicht! Im Hotel angekommen, kam natürlich der Blick auf das Abflugs-Bord im Hotel. Da stand geschrieben, dass wir um 09:00 Uhr im Hotel abgeholt würden. Militärisch geschult, begannen wir rückwärts zu rechen und planten unser morgendliches Aufstehen minutiös. Endlich mal wirklich etwas länger schlafen! Süper!

Zum Abflugstag: Um 07:40 Uhr klopft es ziemlich heftig an unsere Zimmertüre. Wir waren gerade aufgestanden und wollten uns bereit fürs Morgenessen machen. Vor der Türe steht unsere Bekannte und sagt uns, dass wir uns extrem beeilen müssten, wo doch der Bus um 08:00 Uhr abfahren würde. Hä? Unsere (wie sich rasch zeigte, etwas voreilige) Antwort ging in die Richtung, dass sie sich für einmal getäuscht hätte, der Bus fahre – und das hätten wir mit eignen Augen am Abflugs-Bord gesehen – um 09:00 Uhr. Was wir nicht wussten war, dass die Hirsche von C. die Abfahrtszeit irgendwann in der Nacht um eine Stunde vorverschoben hatten. Sch…ade! Also kein Frühstück, dafür fliegt alles in die Koffer. Um genau 08:00:00 Uhr fährt der Bus los, IWC & Co. hätten ihre Uhren danach richten können. Jemand, der auch zu unserer Gruppe gehörte, war noch gemütlich am Pfeifenrauchen auf dem Balkon. Er hat uns sehr nett zugewunken und sich wohl gewundert. Am Flughafen haben wir ihn wieder gesehen. Er hat uns fluchend erzählt, dass das Taxi unheimlich teuer gewesen sei. Um unser Frühstück geprellt, schauten wir uns am Flughafen um. Der Preis für zwei Gipfeli und zwei Nescafé in der günstigsten Cafeteria betrug genau 22 Franken. Eines ist sicher: C. würde noch von mir hören/lesen. So ging irgendwann das Boarding los, es klappte wie am Schnürchen. Kaum zehn Minuten von Boden losgelöst, die Durchsage der Cabincrew-Chefin: «Wenn ein Arzt an Bord ist, wird dieser gebeten, sich sofort bei der Crew zu melden.» Ging es etwa um jemanden im Cockpit? Doch ja, so richtig beruhigend. Was wir nicht wussten war, dass ein C.-Reisender einer anderen Gruppe auf einer Produktepräsentation (!!) einen Herzinfarkt erlitten und seither die ganze Zeit in der Notfallstation eines Spitals in Antalya verbracht hatte. Ab Abflugstag wurde dieser Patient – ein Nichtmitglied der Rega – im Spital regelrecht aus dem Bett geschmissen und reiste mit der ganz normalen Reisegruppe wieder nach Hause. Notabene: Es ging ihm wirklich schlecht und den restlichen Passagieren an Bord zusehends auch. Immerhin: Wir sind heil und gesund wieder in der Schweiz gelandet. Die Ferien kosteten, alles in allem, mehr als die regulär gebuchten im Vorjahr, mit dem Unterschied, dass der Erholungsfaktor dieses Mal gleich zero war. Liebe Firma C. – eines sei Ihnen versprochen. Mit Daniela und mir als Kundin und als Kunde werden Sie sich nie mehr rumärgern müssen. Wir mit Ihnen auch nicht.

Publikation 2006 in der Ferienlektüre der Migros Aare Bern / Thomas Bornhauser