Welchen Doktor brauche ich, wenn meine Toilette verstopft ist?

Weil es in der schweizerischen Bildungslandschaft unabdingbar ist (Frau Dr. Renold, BBT lässt grüssen), dass mindestens jede/jeder zweite einen Universitätsabschluss aufweisen muss, habe ich mich mangels akademischen Werdegangs informieren wollen, was ich denn als KVeler für Weiterbildungschancen hätte. Dies natürlich auch, um allfällige Chancen bei meinem Arbeitgeber wahrnehmen zu können.

Zu allererst habe ich mich, wie dies wohl die meisten Leute getan hätten, im Internet schlau zu machen versucht. Die Website des Beratungs- und Informationszentrums der Erziehungsdirektion des Kantons Bern gibt recht gut Auskunft und so habe ich mich entschlossen, per E-Mail eine Anfrage für einen Beratungstermin zu starten. Hier der Originaltext meiner ersten E-Mail:


Von: Reinhard Roger
Gesendet: Donnerstag, 4. März 2010
An: BIZ-Bern-Mittelland
Betreff: Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung…

Sehr geehrte Damen und Herren

Seit nunmehr 7 Jahren bin ich als Direktionsassistent/persönlicher Mitarbeiter des Vizedirektors der Eidg. Finanzkontrolle tätig. – Meine Karrierechancen sind mangels universitärer Ausbildung gleich Null und dies will und muss ich in absehbarer Zeit ändern!

Aus diesem Grund würde ich gerne ein Gespräch bei Ihnen vereinbaren um mich von Ihnen Beraten zu lassen, wie, was, wo ich tun kann, um meine Berufschancen zu verbessern.

Damit Sie sich vorbereiten können, lege ich Ihnen den CV und die wichtigsten Zeugnisse dieser E-Mail bei.

Bitte geben Sie mir doch einige für Sie mögliche Termine an, denn ich bin als Dir.-Assistent nicht ganz so frei in meiner Zeiteinteilung…

Besten Dank für Ihre Bemühungen.

Freundliche Grüsse

Roger Reinhard


Meiner Ansicht nach ist diese Anfrage eigentlich klar und deutlich und ich ging davon aus, dass der geneigte Leser auf der Gegenseite den «Schargon» kennt auch und weiss, dass es sich beim CV um den Curriculum vitae, den Lebenslauf mit persönlichen Angaben, handeln muss. – Komischerweise fiel die Antwort der Gegenseite doch etwas anders aus, als ich dies erwartet hatte. Sie lautete nämlich wie folgt:


Von: BIZ-Bern-Mittelland
Gesendet: Donnerstag, 4. März 2010
An: Reinhard Roger
Betreff: AW: Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung…

Guten Tag

Besten Dank für Ihre Anfrage. Ausschlaggebend für die zuständige Beratungsstelle ist der Wohnort, welchen wir Ihrem Mail leider nicht entnehmen können. Unter folgender Internetseite finden Sie die für Sie zuständige Stelle: www.adressen.sdbb.ch

Bei Wohnort in der Region des BIZ Bern-Mittelland melden Sie sich bitte telefonisch an.

Unsere Infothek und die Möglichkeit zu einem Kurzgespräch stehen Ihnen unabhängig von Ihrem Wohnort offen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter folgenden Links:

http://www.erz.be.ch/site/index/beratung/berufsberatung.htm und http://www.erz.be.ch/site/index/beratung/berufsberatung/berufsberatung-bizzstandorte/berufsberatung-bern-mittelland.htm

Freundliche Grüsse
BIZ Bern-Mittelland
Bremgartenstr. 37
3001 Bern
Tel. 031 633 80 00


Wie der obenstehenden E-Mail zu entnehmen ist, hat sich die Gegenstelle meiner ersten E-Mail nicht dazu hinreissen lassen, einen Doppelklick auf die mit CV.pdf gekennzeichnete Beilage zu machen um herauszufinden, wer und was ich überhaupt bin. – Und weil mich derartige Standardfloskeln extrem nerven, habe ich ziemlich zackig darauf geantwortet. – Dies in folgender Art und Weise:


Von: Reinhard Roger
Gesendet: Donnerstag, 4. März 2010
An: BIZ-Bern-Mittelland
Betreff: AW: Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung…

Ebenfalls einen guten Tag

Vielen Dank für Ihre Belehrung! – Weil ich mich an Sie wende bedeutet dies nicht, dass ich ein absoluter Trottel bin, denn soviel Kenntnis des «Kantönligeistes» der Schweizerischen Eidgenossenschaft habe ich (ich arbeite bei der Eidg. Finanzkontrolle): Wenn ich aus St. Gallen wäre, hätte ich mich dahin gewandt. – Glasklar!

So bin ich fälschlicherweise davon ausgegangen, dass es Ihnen zuzumuten wäre, einen Doppelklick auf die im pdf Format angehängten Beilagen zu machen, die ich nicht zufällig sondern absichtlich meiner ersten E-Mail beigelegt habe. Meinem CV hätten Sie nämlich, somit erspare ich Ihnen den aufwändigen Doppelklick, entnehmen können, dass ich in Neuenegg, das liegt ca. 16km westlich der Stadt Bern (www.neuenegg.ch) wohnhaft bin und Sie somit, so leid es mir tut, die für mich «zuständige Stelle» sind.

Ebenso irrtümlicherweise bin ich davon ausgegangen, dass es für ein Beratungsgespräch durchaus sinnvoll sein könnte, wenn Sie (oder der/die Berater/in) Kenntnis meiner Vorgeschichte hätten. Aus diesem Grund habe ich mich erfrecht, Ihnen in meiner ersten E-Mail meine Arbeits- und Abschlusszeugnisse beizulegen. – Ich bin nämlich kein 16 jähriger Schulabgänger sondern bereits 42 Jahre jung/alt und habe dementsprechend bereits einige Erfahrung im Arbeits- und Weiterbildungprozess sammeln dürfen und wenn ich schon zu Ihnen kommen darf, dann möchte ich eine fundiertere Auskunft als die, die ich mir auch aus dem Internet hätte besorgen können…

Ihrer Belehrung folgend werde ich mich telefonisch bei Ihnen anmelden.

Sie werden in den nächsten Sekunden von mir hören.

Freundliche Grüsse

Roger Reinhard


Trotz des eher harzigen Anlaufes habe ich, Sekunden später, einen Termin mit dem BIZ vereinbart und lasse mich überraschen, ob man mir da wirklich so weiterhelfen wird, wie ich mir dies vorstelle…

Vielleicht tue ich der Institution Unrecht. – Vielleicht aber auch nicht?!