Lausbubenstreich in Gelb….

Kennen Sie den Augenblick auch? – Es klingelt an Ihrer Türe, sie rennen im Tempo des durch den Dschungel gehetzten Pavians zur Türschliessanlage, nehmen den Hörer ab, sprechen einen einigermassen sinnvollen Satz in die Hörermuschel doch niemand antwortet??

Selbst mehrfaches Abheben und wiederholtes Sprechen bringen kein Resultat?

Bei uns passiert dies in den vergangenen Monaten immer und immer wieder.

Komische Sache!

Als ich letzthin im Marzili zu Bern einen vaterländischen Misstritt machte und mir sämtliche Bänder am linken Sprunggelenk zerfetzte, lag ich mit einem Gips zum Ruhigstellen zu Hause und während dieser Zeit kam die beschriebene Situation quasi jeden Tag vor.

In der zweiten Woche begann ich mit dem Rätseln, was für Lausbuben mir diesen Streich spielen würden. Denn es war ja noch nicht Schulfrei und so kamen an sich lediglich die Jungs (Mädchen machen dies nicht!) der näheren Umgebung in Frage, die nicht Schulpflichtig sind.

Bloss: Um was für Jungs handelt es sich?

Grosses Rätselraten.

Am Mittwoch der zweiten Woche brachte mich meine Frau zu einer Nachkontrolle ins Spital. Da holte sie mich auch wieder ab und brachte mich nach Hause, wo ich mich wieder mit Hochlagern der betroffenen Stelle amüsieren sollte.

Weil sie noch einen Termin hatte, stellte sie mich zu Hause vor der Türe ab und ich wollte mich gleich mit dem Fahrstuhl in den zweiten Stock «beamen».

Während ich den Liftknopf betätigte, hörte ich draussen vor der Eingangstüre, wie jemand den Klingelknopf betätigte und sich sogleich wieder entfernte.

Ha!!!!!!! – Erwischt!

Auch wenn ich mich nicht ganz soooo rasch bewegen konnte: Die zwei Schritte zur Türe waren in ca. 1.5 Sekunden geschafft, ich riss die Türe auf und da war…….niemand!

Wirklich niemand ausser dem Postboten, der gerade mit seinem Dreirad davonfuhr.

Ich schmiss ihm, auf meine verbalen Bemühungen ging er nicht ein, meine Krücken hinterher und er verlangsamte seine Fahrt, schaute zurück und mich mit grossen Augen an, murmelte etwas vor sich hin und fuhr von dannen. – Zu mir: Kein Wort, kein Satz, nichts!

Sie glauben den kausalen Zusammenhang zu erkennen? – Ich auch….

Denn meine Nachforschung ergab, dass auch an diesem Tag ein Abholschein der Post im Briefkasten lag.

Der nette Dreirad-Junge hatte bei uns, wohl nicht einmal seinen Allerwertesten aus dem Sattel bewegend, geklingelt und sich mit dem Elektromobil gleich wieder aus dem Staub gemacht. Den Abholzettel hatte er wohl, so vermute ich, bereits vor dem Klingeln in den Briefkasten geworfen, weil er dann mit einer sportlichen Spitzkehre gleich wieder aus der Einstellhalle flitzen kann.

Nett!

Wenn dem wirklich so ist, dann bräuchte er an sich nicht zu klingeln. So könnte die Post so auch gleich die ganze Postzustellung «beerdigen». Denn so bringt das nichts.

Schreibe, liebe Post, doch einfach eine E-Mail, dass man Post hätte die man irgendwo abholen könne und schon könnte man die Betriebskosten durch die Einsparung der Postbotinnen und Postboten noch einmal beträchtlich senken.

Am nächsten Tag legte ich mich auf die Lauer und «stellte» den Mann, der mir ganz unglaubliches erzählte:

Nämlich von Zeitdruck und Stress und, dass er froh wäre, wenn niemand zu Hause wäre, denn das würde seinen ganzen Auslieferungsplan total auf den Kopf stellen.

Mein Fazit:

Wenn es bei Ihnen klingelt und niemand vor der Türe steht, dann handelt es sich um keinen Lausbubenstreich.

Und wenn, dann um einen «Lausbubenstreich in Gelb».

Von wegen «Service public»…..