Nondum omnium dierum sol occidit

Es ist noch nicht aller Tage Abend! – Zumindest hoffe ich das, denn was ich in einem der letzten K-Tipp gelesen habe (Seite 31 der Nr. 6/2006) hat mir wirklich sehr zu denken gegeben.

Es ist bekannt, dass Berner Politikerinnen und Politiker nichts mögen, was sich irgendwie fortbewegt (Ausnahme: Velo).Das «nicht mögen» wird zur «absoluten Ablehnung», wenn das sich fortbewegende motorisiert ist. Ergo wird alles getan, damit sich solche motorisierten Vehikel von der Stadt und Agglo Bern fernhalten.

Um dieses Ziel zu erreichen wurden «Verkehrsbeschränkende Massnahmen» ergriffen. Diese haben den angenehmen Nebeneffekt, dass bei Übertretungen das magere Sparbüechli der Stadt Bern geäufnet wird. Dies natürlich nicht in bescheidenem Rahmen, denn unlängst stand in der Presse geschrieben, dass im Jahr 2005 aus Bussen über 12 Millionen Franken eingenommen wurden. – Locker! – So scheint es logisch, dass gescheite Leute darauf angesetzt werden, sich Neues einfallen zu lassen um zu mehr zu kommen. Fündig geworden ist man bei den Töffparkplätzen. – Was daraus resultiert:

Es ist mit radikalster Härte gegen falsch parkierende Töfffahrer vorzugehen. Untenstehend die Tarife (gemäss Herrn Peter Hirter, Stadtpolizei Bern):

  • Wer auf dem Trottoir parkiert, aber 1.5m freien Raum lässt, bezahlt Fr. 40.– für die erste Stunde, ab der zweiten Stunde werden Fr. 120.– fällig.
  • Wer auf dem Trottoir parkiert, aber weniger als 1.5m freien Raum lässt, bezahlt Fr. 120.– für die erste Stunde, ab der zweiten Stunde gibt’s eine Verzeigung.
  • Es ist verboten, motorisierte Zweiräder auf Velo- oder Autoparkplätzen abzustellen und ebenso verhält es sich mit den blauen Zonen.

Ich arbeite im Monbijouquartier und erfreche mich der Flexibilität wegen mit dem Roller zur Arbeit zu fahren. In diesem Quartier gibt es massenhaft, meist unbenutzte, Parkfelder für Velos. – Vor zwei Wochen habe ich mich bei der Stadtpolizei erkundigt, wo es im Monbijouquartier Töffparkplätze gäbe. – Die Antwort war ernüchternd: Es gibt keine!

Na ja. – Finanzminister Dr. Kurt Wasserfallen selig hat folgendes gesagt (gelesen in 20Minuten):

«Entscheidend ist die Verkehrssicherheit…» und etwas weiter hinten «…die Kontrollschwerpunkte dort setzen, wo es einschenkt.»

Jaja, ganz genau da, wo es einschenkt, denn es ist schon extrem gefährlich, wenn ein Töff auf einem Veloparkplatz steht. Aber, und damit ist der Bogen zum Titel gespannt, ich habe bei meinen Erkundungstouren durch das Monbijouquartier festgestellt, dass es im Gegensatz zu den nicht vorhandenen Parkplätzen für Töffs enorm viele Bäume entlang den Strassen gibt.

So werde ich mich bei der Stadtgärtnerei erkundigen, ob an diesen Bäumen etwas aufgehängt werden dürfe. Falls es kein Gesetz gegen das Aufhängen gäbe, würde ich einen Flaschenzug montieren und jeden Morgen meinen Roller «an den Baum hängen». – Bevor ich dies jedoch tue, werde ich mich erkundigen, bis zu welcher Höhe die Strassenverkehrsgesetze gültig sind…

Es ist also doch noch nicht aller Tage Abend!

Publikation 2009 in der Ferienlektüre der Migros Aare Bern / Thomas Bornhauser